Archiv für Oktober 2009

Kommunikationsarbeiter und Orchestermusiker

Horst Höfflin 27. Oktober 2009 0 Kommentare

Mediennutzung und Kommunikation sind im Umbruch: In immer stärkerem Maße verändern Web 2.0, Social Media und Many-to-many-Communities die Strukturen und Arbeitsweisen in Medienhäusern. Empfänger werden zu Sendern, jeder redet mit jedem, und das Internet erfindet sich immer wieder neu. Ganz im Zeichen dieses Wandels stand das webcific Mediencamp im Vorfeld der neuen Münchner Messeveranstaltung Discuss & Discover.
Wichtigste Themen: Welche Wege gibt es für den erfolgreichen Print-to-Online-Shift? Welche Möglichkeiten der Umsetzung sind gangbar? Wie können Hersteller, Mediaagenturen und Kommunikationsagenturen in Zukunft wirksam ihr Publikum erreichen? Wie können Journalisten und Verlage in Zukunft Geld verdienen? Wie lässt sich das Web in Zukunft für Verlage nutzen? Kurz: Wie wird das Web 2.0 die Kommunikation verändern und damit auch die Arbeit aller in der Kommunikationsbranche arbeitenden Menschen?
Kein Teilnehmer konnte von der webcific schlüssige oder klare Antworten erwarten. Denn die angesprochenen Fragen sind so vielschichtig und komplex, dass es noch längere Zeit keine schlüssigen Antworten geben wird. Mehrere Diskussionen und Vorträge gaben aber einen ersten Ausblick, wohin die Reise geht – was bleibt noch lange mediale Zukunftsmusik, und was wird sehr schnell Realität?

Dieser Ausblick stützt meine These: Die Grenzen zwischen Marketing und PR, zwischen Werbung und Redaktion werden fließend, sie verwischen. Dies hat direkten Einfluss auf alle, die in der Kommunikationsbranche arbeiten. Statt nur Werber, Onliner oder PRler zu sein, müssen wir zu Kommunikationsarbeitern werden. Gefragt sind Generalisten, die ihr eigenes Metier beherrschen, aber auch fachübergreifend Bescheid wissen. Es kommt darauf an, Botschaften der Auftraggeber zu verstehen. Für diese Botschaften die passenden „Transport-Vehikel“, das heißt Medien oder Kanäle, zu finden, und in diese Kanäle mit den adäquaten Mitteln zu kommunizieren.

Das ist zwar nicht anderes, was ein guter Werber, ein guter Direkt-Marketier oder ein guter PRler bisher gemacht hat, aber wir müssen lernen, über die Zäune zu schauen und zu verstehen, was die anderen Kommunikationsarbeiter machen und sie im Sinne einer gelungenen Kommunikation mit ins Boot nehmen. Das heißt, auch alte Ressentiments über Bord zu werfen. Werber müssen mit den PRlern, Vertriebler mit dem Marketing reden. Wir brauchen Orchestermusiker statt Solisten; Teamplayer, die ihr Instrument optimal beherrschen und ihr Bestes geben, aber denen trotzdem der ‚Zusammenklang’ am Herzen liegt

Was bringt mir Twitter?

Horst Höfflin 7. Oktober 2009 3 Kommentare

Wer nicht twittert, ist definitiv out und wird in der Kommunikation gnadenlos abgehängt!
Das ist jedenfalls die Ansicht der wachsenden Twitter-Gemeinde. Ganz so absolut sehe ich das nicht. Allerdings spricht zur Zeit einiges dafür, diesen neuen Kommunikations-Kanal nicht links liegen zu lassen. Zum einen sollte jeder, der in der Kommunikationbranche arbeitet zumindest den Schimmer einer Ahnung haben, was in der Web-2.0-Welt passiert, und da gehört Twitter definitiv dazu. Zum anderen kann man Neues dann am besten beurteilen, wenn man es einfach einmal selbst ausprobiert.
Dies ist der Grund warum ich twittere: Nicht besonders oft und auch nicht über meine aktuelle Tagesbefindlichkeit – à la ich genieße das schöne Wetter am See – sondern über Sachen die mich betreffen, die ich beruflich wichtig finde oder die einfach amüsieren, wie zum Beispiel die Versuchung ( http://tinyurl.com/y9llazx ).
Trotz dieser relativ bescheidenen Twitter-Aktivitäten, oder gerade deshalb, steigt die Zahl der Leute, die meine Tweets interessant finden und die mir folgen, kontinuierlich an.

Bei der Auswahl der Leute, denen ich folge bin ich inzwischen wählerisch, denn am Anfang waren es zu viele und ich konnte gar nicht mehr alle Tweets lesen. Jetzt folge ich nur noch Leuten, die aus ähnlichen Gründen wie ich twittern und deren Tweets deshalb für mich lesenswert sind. Und lesenswert sind diese Tweets, weil es um Themen geht, die mich etwas angehen. Dazu kommt noch ein ganz entscheidender ‚Zusatznutzen’: Ich bekomme so Informationen zu Themen, die mich interessieren, nach denen ich aber nicht aktiv gesucht habe. Ich bin eingebunden in den Informationsaustausch zwischen Leuten mit ähnlichen Interessen wie ich und profitiere davon, dass diese Menschen ihr Wissen teilen. Ich stoße auf Seiten im Web, die ich ohne Twitter nie gefunden hätte.

Twitter und die Twitterer, denen ich folge, bringen mir damit zurück, was ich beim Surfen im Web vermisst habe: das zufällige Finden. Es ist wie beim Zeitung lesen. Man liest zunächst nur die Seiten, die für einen wichtig sind: Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport…. Aber beim Durchblättern stößt man zufällig auf einen interessanten Artikel, den man im Web so nicht gefunden hätte. Ganz einfach weil man auch gar nicht danach gesucht hat. Für mich ist Twitter deshalb kein neuer Hype, sondern einfach eine neue Möglichkeit meinen Blickwinkel zu erweitern und mich auszutauschen.

Gar nicht erwähnt hab ich bisher was Twitter für die Unternehmenskommunikation bedeutet. Brauchen Unternehmen Twitter? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt auf die Zielgruppe an. Passt sie, dann gibt es hier sehr gute Möglichkeiten, seine Botschaften punktgenau an den richtigen Mann oder an die richtige Frau zu bringen. Dazu muss man aber die Klaviatur beherrschen und das Medium sehr genau kennen. Nicht zuletzt dies ist ein Grund für jeden Kommunikations-Arbeiter: Twitter, einfach einmal ausprobieren!